
Mélchiade Bizoza ist ein Burundier aus der Zone Makabuko im Distrikt Muhororo. Durch die AKI-Schulung in Gitega (2024) hat er Kenntnisse über energiesparende Öfen und Energieeffizienz erworben. Er gehörte zu den ersten acht Personen, die diese Schulung abgeschlossen haben. Nach der Schulung gründete er einen Verein mit fünf Mitgliedern und unterstützt seither ländliche Gemeinden in Muhororo durch den Bau energieeffizienter Öfen, Sensibilisierungsmaßnahmen und die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten. Es folgt ein Interview mit Mélchiade Bizoza.
F1. Kannst Du Dich kurz vorstellen?
Mein Name ist Mélchiade Bizoza und ich komme aus der Makabuko-Zone im Muhororo-Distrikt. Ich bin Vater von zwei Kindern und stamme aus einer Familie mit fünf Brüdern und zwei Schwestern. Ich habe die Grundschule abgeschlossen, konnte meine Ausbildung aufgrund fehlender Schulmaterialien und finanzieller Engpässe aber nicht fortsetzen, da meine Eltern nur über begrenzte Einkommensmöglichkeiten verfügten.
F2: Wie hast Du von der Schulung zu energiesparenden Öfen im Jahr 2024 erfahren und was hat Dich dazu motiviert, an der AKI-Schulung in Gitega teilzunehmen?
Ich habe durch Bruder Remegie Nkurunziza vom Orden Saint Camille von der Schulung zu energiesparenden Öfen erfahren. Er hatte 2015 im Bezirk Muhororo gearbeitet und ich blieb mit ihm in Kontakt. Er informierte mich später über diese Schulung, da er wusste, dass ich als lokaler Hausbauer arbeite und ermutigte mich zur Teilnahme. Besonders motiviert hat mich, dass energiesparende Öfen durch den geringeren Brennholzverbrauch zum Umweltschutz beitragen können. In meinem Haushalt verbrauchen wir große Mengen an Brennholz zum Kochen und zum Erhitzen von Wasser. Die Vorstellung, dass ich zu Hause weniger Brennholz verbrauchen und gleichzeitig mehr verkaufen könnte, um mein Einkommen aufzubessern, hat mich sehr motiviert.
F3: Welche wichtigen Kenntnisse hast Du im Rahmen der Schulung erworben?
Vor dieser Schulung waren energiesparende Öfen für mich unbekannt. Ich habe sowohl technisches Wissen als auch praktische Fähigkeiten erworben. Ich habe gelernt, wie Öfen den Brennholzverbrauch senken, die Raumluftqualität verbessern und Unfälle verhindern, wodurch Kinder und Erwachsene geschützt werden.
Im Rahmen der Schulung habe ich zudem Wissen über den Klimawandel in Burundi und die Auswirkungen von Umweltpraktiken wie der Abholzung von Bäumen erworben. Darüber hinaus konnte ich meine Soft Skills stärken, Selbstvertrauen gewinnen, lernen vor Publikum zu sprechen und meine Gemeinde zu mobilisieren. Inzwischen halte ich Treffen mit Dorfvorstehern ab, um für Umweltschutz und nachhaltige Praktiken zu werben. Dank dieser Schulung fühle ich mich befähigt, als lokale Führungskraft sowohl technische als auch soziale Kompetenzen einzusetzen, um Veränderungen in meiner Gemeinde anzustoßen.
F4. Wie hat es deine weitere Laufbahn beeinflusst, dass du zu den ersten Auszubildenden gehörtest?
Als einer der ersten Auszubildenden hatte ich die Möglichkeit, andere zu schulen. So begann ich, in meinem Dorf Schulungen durchzuführen und die Gemeindemitglieder für den Umweltschutz zu mobilisieren. Diese Erfahrung hat mich zu einem Fürsprecher der Umwelt gemacht. Selbst marginalisierte Gruppen wie die Batwa wurden durch meine Schulungen erreicht. Als einer der ersten Auszubildenden konnte ich mit gutem Beispiel vorangehen und dafür sorgen, dass das Umweltbewusstsein und nachhaltige Praktiken alle Mitglieder der Gemeinde erreichten.
F5: Kannst Du uns etwas über den von Dir gegründeten Verein und seine Mitglieder erzählen?
Unser Verein heißt „KEREBUKA DUKINGIRE IBIDUKIKIJE KUGIRA TUBEHO NEZA”, was übersetzt „Achtet und schützt unsere Umwelt für ein besseres Leben” bedeutet. Ich habe ihn gegründet, weil die Umweltprobleme in unserem Dorf immer gravierender wurden. Wir begannen als Gruppe fünf engagierter Mitglieder – drei Männern und zwei Frauen. Gemeinsam arbeiten wir daran, das Bewusstsein zu schärfen, die Gemeinschaft zu mobilisieren und praktische Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der lokalen Umwelt zu ergreifen, um ein gesünderes und nachhaltigeres Leben für alle zu gewährleisten.
F6: Welche Aktivitäten führt Dein Verein in ländlichen Gebieten durch?
Unser Verein führt Aufklärungskampagnen zum Umweltschutz und zur Bedeutung von Küchen mit verringertem Rauch zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen durch. Wir bauen energiesparende Öfen für interessierte Haushalte, und fördern so die Gesundheit sowie die nachhaltige Nutzung von Brennstoffen. Darüber hinaus schulen und mobilisieren wir junge Menschen und ermutigen sie, sich an einkommensschaffenden Aktivitäten zu beteiligen. Dies ist angesichts der begrenzten Beschäftigungsmöglichkeiten von besonderer Wichtigkeit. Mit diesen Bemühungen wollen wir ein gesünderes Umfeld schaffen, junge Menschen stärken und ihre Lebensgrundlagen verbessern.
F7: Inwiefern haben energiesparende Öfen den lokalen Gemeinden geholfen?
Energiesparende Öfen sparen Zeit, da das Kochen schneller geht. Dadurch können beispielsweise Lehrer Mahlzeiten zubereiten und pünktlich zur Arbeit erscheinen. Außerdem verbrauchen sie weniger Brennholz oder Holzkohle, wodurch die Haushaltsausgaben sinken. Die gesundheitlichen Vorteile sind erheblich: Husten, Atemwegsprobleme und Augenreizungen sind zurückgegangen und die Häuser sind jetzt sauberer. Eltern fühlen sich sicherer, was ihre Kinder betrifft, da traditionelle Dreisteinöfen früher eine ernsthafte Gesundheits- und Brandgefahr darstellten.
F8: Mit welchen Herausforderungen bist du bei der Vorstellung der energiesparenden Öfen konfrontiert worden und wie hast du sie bewältigt?
Anfangs war es schwierig, die Menschen davon zu überzeugen, neue Praktiken anzuwenden – vor allem aufgrund traditioneller Gewohnheiten wie der Verwendung von Dreisteinöfen. Auch die Logistik und das Zeitmanagement stellten eine Herausforderung dar, da die Haushalte weit verstreut liegen und lange Anfahrtswege erforderlich sind. Einige Gemeindemitglieder hielten sich außerdem nicht immer an die vereinbarten Termine für den Bau der Öfen. Wir haben diese Herausforderungen durch Sensibilisierung, geduldige Erklärungen und die Mobilisierung der Gemeinde bewältigt. Mit der Zeit wurden die Menschen aufgeschlossener und unsere Arbeit wurde effizienter.
F9: Inwiefern hat diese Arbeit zu deinem Einkommen und Lebensunterhalt beigetragen und welche Zukunftspläne hast du?
Diese Arbeit hat mein tägliches Leben und das Wohlergehen meiner Familie erheblich verbessert. Ich konnte Kleidung für meine Frau und meine Kinder kaufen, zwei Schweine zur Düngerproduktion und als zusätzliche Einnahmequelle anschaffen und Landparzellen pachten, um die Ernährungssicherheit zu verbessern. Dank des Einkommens und der Ressourcen aus dieser Arbeit kann ich nun ohne Schwierigkeiten den Bedarf meines Haushalts decken und medizinische Ausgaben bestreiten. Das hat unsere Lebensqualität wesentlich verbessert.
Meine Pläne sind, das Umweltbewusstsein zu stärken, junge Menschen für grüne Berufe zu begeistern und zu zeigen, dass Umweltschutz Lebensgrundlagen nachhaltig verbessern kann.
F10: Gibt es noch etwas, das Du teilen möchtest?
Ich schlage vor, dass die Schulungen direkt in den Dörfern stattfinden. Viele Menschen sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, nur schwer Zugang zu Bildung zu haben. Es gibt nur wenige Ausbilder, die moderne Fähigkeiten und nachhaltige Praktiken vermitteln können. Ich empfehle außerdem, dass AKI Initiativen wie die Bildung eines Jugendclubs weiterhin unterstützt. Dieser bietet Beratungen, Schulungen und Unterstützung an, um die Entwicklung der Gemeinde und den Umweltschutz zu stärken.
F11: Mélchiade, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und mit uns gesprochen hast.
Ich bin dem AKI-Projekt sehr dankbar für die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erlernen, die mein Leben verbessert und mir die Türen zu einer besseren Zukunft geöffnet haben. Diese Erfahrung hat mir persönlich sehr geholfen und ermöglicht es mir, einen positiven Beitrag zum Wohlergehen meiner Familie, meiner Gemeinde und meines Landes zu leisten.







