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Erster Vor-Ort-Besuch beim Burundi-Projekt

Foto: AgrarKontakte International (AKI)

Nach einem Zwischenstopp in Addis Abeba (Äthiopien), der Verkehrsdrehscheibe Afrikas, erreichte ich (ehemaliger AKI-Projektmanager und freiberuflicher Berater) nach 25 Stunden Bujumbura. Die Stadt liegt im Norden des Tanganjika-Sees und ist die mit Abstand bedeutendste Stadt des zentralafrikanischen Burundi. Bereits auf der Fahrt zum Hotel konnte ich einen ersten Eindruck von Land und Leute erhaschen.

Rund 90% der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig – der Großteil davon in Subsistenzwirtschaft. Im Land begegnet man nur wenigen produzierenden Unternehmen – und diese werden oftmals entweder staatlich verwaltet oder von ausländischen Global Playern geführt. Viele Schlüsselmärkte werden staatlich reguliert, unternehmerische Aktivitäten beschränken sich oft auf Kleinstgewerbe. Eine Sekundarwirtschaft zur Produktion von Lebensmitteln oder Industrieerzeugnissen fehlt fast vollständig – der Import übersteigt den Export bei weitem.

Nach viertätiger Hotelquarantäne konnte ich meine Behelfs-Unterkunft in der katholischen St. Augustin Gemeinde beziehen, um mich von dort aus für die nächsten Tagen mit verschiedenen NGOs und potenziellen Projektpartnern zu treffen. Die Gemeinde liegt im Slum Buyenzi im Zentrum Bujumburas und ist ein geschützter Ort für die lokale Bevölkerung. Neben der kirchlichen Gemeinde mit täglichen Gottesdiensten sind verschiedene Sportaktivitäten, ein Gesundheitszentrum und ein kleines Ausbildungsinstitut auf dem Gelände. Dort durchlaufen junge Menschen einen 9-monatigen Weiterbildungskurs zum Thema „Entrepreneurship“. Zukünftig soll ein darauf aufbauender Kurs zum Thema „Agribusiness und Value Chain Management“ einen Beitrag dazu leisten, die agrarökologische Situation, die Lebensmittelsicherheit und die Ernährungssouveränität im Land zu verbessern.

Insbesondere die Permakultur kann dabei effektive Ansätze bieten, um den sozialen und ökologischen Herausforderungen des Landes nachhaltig zu begegnen. Hierzu soll auch das „Agrarsoziale Bildungs- und Trainingscenter“, an dessen Aufbau AKI mit Unterstützung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) arbeitet, einen wichtigen Beitrag leisten.

Die neue Hauptstadt des Landes ist Gitega und liegt im Zentrum des Landes gut 2 Stunden östlich von Bujumbura. Nach vier Tagen in der heißen Tiefebene ging es nun ins Landesinnere auf rund 1.700 Meter, wo sich die 4 Hektar große Projektfläche nur wenige Minuten vor der Hauptstadt in den umliegenden Hügeln befindet.

Die Projektfläche wächst zunehmend und wird schrittweise nach den Prinzipien der Permakultur umgestaltet. Um dies zu bewältigen, sind nicht nur finanzielle Mittel notwendig, sondern auch engagierte Frauen und Männer aus der Umgebung, die zukünftig in einer selbstragenden Personalstruktur organisiert werden sollen. Hierfür wurden bereits zwei Einrichtungen identifiziert: die St. Kizito Schulen und vor allem die christliche Bruderschaft St. Camellius. Die Bruderschaft hat sich ganz der Nächstenliebe verschrieben, indem sie marginalisierten Gruppen durch Bildung fördert – was sich mit den Prinzipien der Permakultur und den Projektzielen deckt.

Burundi hat eine für afrikanische Verhältnisse homogene Bevölkerung. Die Bantusprache Kirundi wird fast von der gesamten Bevölkerung gesprochen – Französisch und Kisuaheli werden, vor allem in Bujumbura, als Verkehrssprache genutzt. Wie auch im nördlich gelegenen Ruanda stellen die Tutsi und Hutu mehr als 95% der Bevölkerung – ein kleiner Teil sind das Pygmäenvolk der Twa. In den 1990er Jahren kam es zu blutigen Unruhen, aber auch Korruption und fehlende Planungssicherheit, die auf allen politischen, administrativen und gesellschaftlichen Ebenen spürbar ist, hält das Land weiterhin von seinem Potenzial zurück. Daher spielen zivilgesellschaftliche und religiöse Einrichtungen in der humanitären Hilfe und der Entwicklungsförderung eine bedeutende Rolle. Viele NGOs kommen und gehen aufgrund der schwierigen Lage. Insbesondere christliche Einrichtungen wie die Afrikamissionare sind eine dauerhafte Stütze für die lokale Bevölkerung. Sie setzen sich auch für die Verbesserung der infrastrukturellen Lage ein – gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung legen sie Wasser- und Stromleitungen, bauen Brücken und Schulen, kümmern sich um Alte und Ausgeschlossene.

In diesem Rahmen werde ich in den nächsten drei Wochen gemeinsam mit Ludovic Bourdon, unserem Permakultur-Experten von Abundant by Nature, vor Ort sein, um das Projekt weiter voranzutreiben. Hierbei werden wir von den beiden ortsansässigen Projektpartnern Pater Walter (Gitega) und Pater Kingsley (Bujumbura) von den Afrikamissionaren aktiv unterstützt, um die Projektziele zu erreichen.

Auf Grund der Corona bedingten Reisebeschränkungen im vergangenen Jahr ist dies der erste Vor-Ort-Einsatz von AKI seit dem Projektbeginn im September 2020.

Teil 2 folgt in Kürze.

 

AgrarKontakte International (AKI)
Tropisches Klima mit viel Niederschlag, hügelige Landschaften und hoher Landnutzungsdruck durch eine hohe Bevölkerungsdichte tragen zu anhaltend starken Erosionsereignissen bei
AgrarKontakte International (AKI)
Markttreiben am Sonntag in Gitega
AgrarKontakte International (AKI)
von links: Pater Kingsley Njimogu (Afrikamissionar aus Nigeria), Markus Roßkopf (Berater aus Deutschland), Marc Ndayimirije (Agrarökologie aus Burundi), Ludovic Bourdon (Permakultur-Experte aus Frankreich)
AgrarKontakte International (AKI)
Die Erstbegehung des Landes gibt gute Einblicke in die Herausforderungen und Potenziale des Projektareals - und stimmt uns optimistisch!
AgrarKontakte International (AKI)
Der soziale Aspekt beinhaltet die Inklusion von vunerablen Gruppen - die beteiligte Schwesterngemeinde kümmert sich fürsorglich um Alte und Kranke